VORWORT

Diese Website entstand im Dezember 2012, mein Vater wäre jetzt 100 Jahre alt.

Es ist der Versuch der Darstellung eines Lebenswerks, gewiss unvollständig und zudem subjektiv, aus der Sicht eines Sohnes, der das künstlerische Ringen des Vaters unmittelbar miterlebt hat: Suchen, Finden, Zweifeln, Ändern, das Auf und Ab, auch die materielle Not und die Zeiten des Erfolgs.

Subjektiv ist nicht nur der Kommentar, sondern auch die Auswahl der gezeigten Bilder und Zeichnungen. Es sind überwiegend Arbeiten aus meinem Besitz, denn zu ihnen habe ich die größte Beziehung. Wo es mir, um die einzelnen Schaffensphasen umfassender darstellen zu können, sinnvoll erschien, habe ich zusätzliche Arbeiten aus dem Bestand meines Bruders, aus dem Freundeskreis und aus öffentlichen und privaten Sammlungen mit einbezogen.

Bei der Gestaltung dieser Präsentation habe ich mich für eine thematisch-orientierte Struktur entschieden. So werden z.B. die Landschaften in der Hauptkategorie Land zusammengefasst, die sich dann in Unterkategorien verzweigt. Dabei habe ich Zeichnungen und Gemälde nicht getrennt, erlaubt doch oft gerade das Nebeneinander der beiden Ausführungen Einblicke in Entwicklungsstufen einer Themenbearbeitung.

Teilweise lassen sich Stilentwicklungen durch eine chronologische Folge aufzeigen. Oft aber ist es auch interessant, sich von der Chronologie zu lösen, z.B. wenn ein früheres Motiv nach Jahren oder Jahrzehnten in einer neuen Arbeit wieder aufgegriffen wird.

Manche Werke, die ich hier sehr gern vorgestellt hätte, existieren nicht mehr, bzw. ich konnte sie nicht auffinden. Einer der Gründe hierfür ist sicherlich, dass mein Vater ein Mensch des Augenblicks war, und zudem noch ein sehr großzügiger. Interessierte sich jemand für ein Bild, verkaufte er es leichten Herzens, auch wenn er es für eines seiner besten hielt. Er hatte zwar klare Preisvorstellungen, doch wenn er wusste, dass die Mittel eines Interessenten begrenzt waren, konnte die Preisliste ihre Autorität verlieren. Es kam sogar vor, dass er einem begeisterten, aber mittellosen Kunstliebhaber die begehrte Arbeit ganz spontan schenkte. Ein wunderbarer Charakterzug zwar, nur empfahl ich ihm etwas mehr Disziplin, er solle doch zumindest aufzeichnen, in wessen Besitz welche Arbeiten übergegangen sind, so wie es zu Lebzeiten meine Mutter getan hatte. Er nahm meinen Rat ernst, versuchte immer wieder, ein Protokoll anzulegen, aber die Bemühungen versandeten bereits im Ansatz. Seine Begabung lag definitiv nicht im Bereich der Buchhaltung.

Obwohl diese Website nur einen Teil des künstlerischen Nachlasses vorstellt, ist sie doch recht umfangreich. Das verleitet natürlich zum raschen Durchzappen. Schön wäre es, wenn der eine oder andere Kunstfreund dennoch Zeit und Muße fände, das Gesamtwerk oder Themenabschnitte daraus in Ruhe zu betrachten, sie wie beim Gang durch eine Ausstellung auf sich wirken zu lassen. Ich wünsche viel Freude dabei.

René Perraudin

Wilfrid Perraudin - Zitrone-Apfel-Birne
Wilfrid Perraudin – Les trois (mit Apfel) 1975 – Tusche auf Papier – 27x36 cm – Ref.-Nr. 1705  (Privatbesitz)